Telemedizin

Die Telemedizin ist ein junges wissenschaftliches Gebiet in dem Bereich der Medizin. Bis vor kurzem wurde sie nur in ausgewählten Einrichtungen des Gesundheitswesens eingesetzt, die über teure Geräte für spezielle Anwendungen verfügen. Neue telemedizinische Lösungen etablieren sich langsam, aber sicher in den Markt für medizinische Dienstleistungen.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends gab es zwar Computerprogramme, die die Erstellung von Krankheiten ermöglichten, aber die Internetverbindungen hatten nur eine sehr geringe Bandbreite und waren nicht weit verbreitet. Die Durchführung einer Fernuntersuchung erforderte teure Ausrüstung, darunter Computer, Kameras und verschiedene Arten von Sensoren. In den Industrieländern hatten zu diesem Zeitpunkt nur etwa 20 % der Bevölkerung einen Zugang zum Internet. In Polen lag dieser Anteil im Jahr 2000 bei nur 17 % (Polacy w sieci. Analysis of changes in internet use, Wyd. UMCS, Lublin 2019), während es 2004 schon 26 % waren (CSO-Studie „Społeczeństwo informacyjne w Polsce“, Warschau 2008). In Deutschland sah die Situation 2001 mit etwa 2.000.000 DSL-Anschlüssen im Jahr 2001 auch nicht besser aus (Teletarif.de).

Fernberatung im Jahr 2001.

Ein Allgemeinmediziner in Taupo, Neuseeland, berät sich mit einem Dermatologen in Hamilton, etwa 160 km entfernt. Ein Computer ermöglicht Videokonferenzen in Echtzeit. Der Arzt verwendet eine Digitalkamera, um Nahaufnahmen von Hautläsionen zu zeigen.

Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11546704/

Autor: R. Wootton.

Weniger als zwei Jahrzehnte zuvor beschränkten sich professionelle telemedizinische Lösungen auf Live-Videoübertragungen zwischen Zentren, in denen komplexe Operationen durchgeführt wurden. Dies ermöglichte es einem Teil des Operationsteams, sich online in Echtzeit zu beraten.

Erst der weit verbreitete Zugang zum Internet und zu tragbaren Computergeräten (z. B. Laptops und später Smartphones) revolutionierte den Markt für medizinische Dienstleistungen, indem er den Patienten die Möglichkeit gab, aktiv an der Behandlung teilzunehmen. Heute ist die Telemedizin ein sehr vielversprechender Bereich. Der breite Zugang zum Internet, die Beliebtheit von Smartphones und die Verfügbarkeit von Servern, auf denen Daten gespeichert werden können lassen neue Lösungen wie „Pilze aus dem Boden“ schießen.

Praktische Anwendungen der Telemedizin

Viele Bereiche der medizinischen Diagnostik stützen sich heute auf Fotos oder andere grafische Formen der Datendarstellung. Dank der verbesserten Verfügbarkeit von Datenspeicherplatz und der immer besseren Qualität der Handykameras können diagnostische Fotos von praktisch jedem gemacht werden, sogar von den Patienten selbst. Die Fotos und professionellen Bilder (z. B. von CT-Scans) werden dann mit Hilfe von KI-Technologie (künstliche Intelligenz) verarbeitet. In zunehmendem Maße sind Diagnosen mit Hilfe von Algorithmen sogar genauer als das Auge eines erfahrenen Radiologen, zum Beispiel bei der Analyse von radiologischen Scannes des Gehirnes.

Automatische Analyse von Gehirnerkrankungen auf der Grundlage eines von einem CT-Scanner übertragenen Bildes.

Das Programm bestimmt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens bestimmter Krankheiten. Die Analyse wird von Algorithmen der künstlichen Intelligenz (KI) durchgeführt, denen beigebracht wurde, Bilder von Hirnläsionen zu erkennen, die mit schweren Krankheiten einhergehen.

Quelle: https://brainscan.ai/

Die rasche technologische Entwicklung geht jedoch nicht immer Hand in Hand mit mentalen und organisatorischen Veränderungen. Ärzte, der „vor-Computer Generation“, wissen nicht unbedingt die Möglichkeiten zu schätzen, die die neuen Technologien bieten. Ein weiteres Hindernis für die Entwicklung der Telemedizin ist die Inkompatibilität der IT-Systeme, die den Datenaustausch behindert. Ein neuer Trend ist die Schaffung von Systemen zur Vereinheitlichung von Standards für den Austausch medizinischer Daten, wie etwa Health Level Seven (HL7). Die Telemedizin bringt eine Reihe von Verbesserungen mit sich, so verbessert sich die Qualität der Behandlung und senkt die finanziellen und sozialen Kosten. Zu den wichtigsten Vorteilen des Einsatzes telemedizinischer Lösungen gehören:

  • Sofortige Datenübertragung auf Distanz, direkt vom und zum Patienten;
  • Ständiger Kontakt des Patienten mit Ärzten und Pflegepersonal;
  • Automatische Erstellung von Krankenakten;
  • Parametrisierung der Prüfergebnisse und Erstellung umfangreicher Datenbanken;
  • Sammlung von Material für die wissenschaftliche Forschung;
  • Grenzenlosigkeit, d.h. die Möglichkeit, Behandlung und Forschung unabhängig vom Standort des Patienten und der Ärzte durchzuführen.

Grenzüberschreitende Telemedizin

Der grenzüberschreitende Charakter der Telemedizin ist ein großer Vorteil im Rahmen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Polnische Patienten können in Deutschland behandelt werden – und umgekehrt. Die Telemedizin erleichtert die Konsultation medizinischer Fälle, den Aufbau internationaler Netzwerke und den schnellen Meinungsaustausch, abgesehen von den Herausforderungen der grenzüberschreitenden Finanzierung einer solchen Behandlung.

1. Medizinisches Forum in Guben

Auf der grenzüberschreitenden Konferenz im Gubener Rathaus lernten deutsche und polnische Ärzte und medizinisches Personal, das in Polen immer beliebter werdende System der telemedizinischen Wundversorgung kennen.

Die meisten Patienten mit chirurgischen oder chronischen Wunden werden in ihrem eigenen Zuhause behandelt. Auf einen medizinischen Berater kommen mehrere oder sogar dutzende von Patienten.

Telemedizinische Anwendungen (z. B. Web- und Mobiltelefonanwendungen) bieten den Patienten die Möglichkeit, in ständigem Kontakt mit einem Arzt zu stehen. Der Patient macht regelmäßig Fotos und füllt einen Fragebogen aus, indem er den Zustand der Wunde beschreibt. Anschließend überträgt der Patient diese Informationen an einen Server, von dem diese Informationen, von einem Mediziner, angesehen und ausgewertet werden. Dies gibt dem Patienten nicht nur das Gefühl, ständig betreut zu werden, sondern im Falle einer Komplikation kann schnell reagiert werden, wodurch sich auch die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden aufgrund einer falschen Behandlung schnell reduzieren lassen. Außerdem hat der Online-Berater mehr Patienten unter seiner Obhut, weil eine solche Behandlung weniger arbeitsintensiv ist und die elektronische Dokumentation in Echtzeit erstellt wird.

Bewährte Verfahren im Krankenhaus in Guben

In Guben wurde eine polnisch-deutsche Zusammenarbeit zwischen dem Team von Professor Tomasz Banasiewicz (Universität für medizinische Wissenschaften in Poznań) und dem Personal des Gubener Krankenhauses sowie dem medizinischen Personal anderer Grenzstädte aufgebaut.

Deshalb arbeitet eine Gruppe von IT-Spezialisten und medizinischem Personal derzeit an der Umsetzung eines Pilotprojekts im Naemi-Wilke-Stift in Guben. Die Wundbehandlung in diesem Krankenhaus wird derzeit hauptsächlich auf Papier dokumentiert. Die Wunde wird anhand eines A4-Fragebogens beschrieben. Die Beschreibung wird bei jeder Behandlung mehrmals wiederholt. Alle manuell ausgefüllten Fragebögen gehen in die Ambulanz oder in die Krankenhausakte, wo sie eingescannt und in das IT-System des Krankenhauses übertragen werden. Die Speicherung medizinischer Daten in dieser Form erschwert die Auswertung, da es notwendig ist, die Handschrift zu lesen. Auch digitale Verfahren sind bei Handschriften sehr unpräzise, daher es nicht möglich ist, daher ist es nicht möglich, solche Daten zeitgemäß auszuwerten. Das „analog zu digital Verfahren“ macht es zudem schwierig, die Daten für Forschungszwecke auszuwerten und erschwert auch die Evaluierung, wodurch die Diagnosen nur schwer in patiengerechter Geschwindigkeit aktuell gehalten werden können.

Für die Umsetzung in Deutschland haben wir eine deutschsprachige Version der iWound-Anwendung erstellt, die bereits in Polen existiert und getestet wurde. Jeder Benutzer kann alle Optionen und Befehle auf dem Bildschirm, in seiner eigenen Sprache, sehen. Die Anwendung funktioniert überall dort, wo es eine Internetverbindung gibt.

Im Rahmen der Zusammenarbeit wurde eine elektronische Version des Formulars zur Beschreibung von Wunden im Naemi-Wilke-Stift erstellt. Die Daten über den Zustand des Patienten und das Aussehen der Wunde werden über ein System von Fragebögen eingegeben, die an ein Telefon oder einen Computer gesendet werden. Wundfotos, die auch vom Patienten selbst gemacht werden können, sind ebenfalls ein obligatorisches Element dieser telemedizinischen Behandlung. Es wird eine chronologische Fotogalerie erstellt, anhand derer der Berater den Wundheilungsprozess kontrollieren und beurteilen kann, ob die Behandlung in die richtige Richtung geht. Die App erstellt auch einen Untersuchungsbericht.

Diese App zeigt nicht nur, dass wir grenzüberschreitend, im medizinischen Bereich, profitieren können und sollten, sondern auch, dass dies der erste Schritt in eine neue deutsch – polnische Patientenversorgen ist. Denn wie das anfangs erwähnte Beispiel aus Neuseeland zeigt, können sich Ärzte auch Ortsunabhängig wesentlich unkomplizierter austauschen, was am Ende nur der schnelleren Genesung des Patienten zugutekommt.

Wir als Verein für deutsch – polnische Zusammenarbeit im Gesundheitswesen e.V. möchten daher auch in Zukunft solche telemedizinischen Projekte begleiten und stehen sowohl medizinischen Personal, als auch Patienten bei Fragen zur Verfügung.

Sie könne uns daher zu jeder Zeit über das Kontaktformular oder über Facebook mit uns in Kontakt treten.

Kontakt

Tel. +49 335 / 3230 1288
E-Mail: kontakt@gesundheitsverein.eu